Heimbach Bruderschaft Stolberg 1730

290. Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter von Heimbach am 14. Mai 2022

Liebe Pilgerinnen und Pilger der Heimbachwallfahrt 2022.

Wo ist Gott? – Immer wieder stellen Menschen diese Frage, vor allem jene, die Leid, Krankheit, Not und Elend erfahren und erdulden müssen, Menschen, die auf der Flucht sind, Menschen, die Angst vor der Zukunft haben.

Menschen, die wie in Stolberg durch die Flutkatastrophe mit ungeahntem Ausmaß ihre ganze Existenz verloren haben, Menschen, die nach über 70 Jahren nach Ende des 2. Weltkrieges nicht verstehen können, dass es in Europa zwischen Russland und der Ukraine zu einem Angriffskrieg kommen kann. Die Bedrohung wird durch die Aktivierung von Atomwaffen auf die Spitze getrieben, nur weil der russische Präsident in seinen Allmachtsphantasien an die Wiederauferstehung des sowjetischen Imperiums glaubt und bei der Durchsetzung seiner Interessen über Leichen geht.

Nicht Gott ist für das Unheil, das über die Welt gebracht wird verantwortlich, sondern der Mensch, der den Schöpfer dieser Welt aus den Augen verliert und sich in egoistischem Wahn an die Stelle Gottes setzt. Wie gut, dass sich Gott uns Menschen in solch angsteinflößenden, bedrängenden Momenten in seiner uns zugewandten Art und Weise zeigt.

Wo ist Gott? – eine Antwort auf diese unzähligen Menschen so bedrängende Frage gibt Gott selbst auf dem Berg Sinai, als er sich aus dem brennenden Dornbusch heraus Mose offenbart und zu ihm spricht: „Ich habe das Elend meines Volkes gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen.“ Als Mose dann Gott nach seinem Namen fragt, da stellt Gott sich ihm vor und sagt, wer er ist (nach Ex 3, 14 in der Übersetzung von Martin Buber):

„Ich bin da, wo du bist!“

Dieser sich dem Mose so offenbarende Gott ist kein ferner Gott, der über den Himmeln thront. Gott ist da, bei seinem Volk. Und er ist schon immer da und wird es immer sein, daher auch sein Name:

„Ich bin da. Ich bin da für dich. Ich bin da, wo du bist.“

Durch diese Selbstoffenbarung begibt sich der Gott des Exodus ein für alle Mal an unsere Seite und verspricht uns: Ich bin da, wo Menschen menschenunwürdig leben, misshandelt, geschunden und verfolgt werden. Ich bin da, wo Frauen und Männer sich für andere einsetzen, einander lieben und in Frieden zusammenleben. Ich bin da, wo Menschen in meinem Namen leben und immer wieder Maß nehmen an meinen Worten und an Jesus, meinem menschgewordenen Sohn. Gott blickt uns an und schenkt uns durch sein Da-Sein und An-Sehen Zuwendung, Liebe und Gemeinschaft. Ja, unser Gott ist ein menschenfreundlicher Gott. In seinem Da-Sein können wir aufatmen, Mut schöpfen und weitergehen hinein in das verheißene Land.

Ich bin da, wo du bist!“

Ich hoffe, dass Sie in Ihren privaten Anliegen und Sorgen, in den gesellschaftlichen, kirchlichen und politischen Problemen immer wieder spüren, dass Gott da ist, wenn Sie Ihren Glauben bei der Wallfahrt zur schmerzhaften Mutter von Heimbach unter Ihre Füße nehmen, dass er Ihr Leben teilt in der Freude und im Leid.

Kehren Sie mit Gottes Hilfe gestärkt und getröstet in Ihren Alltag zurück.

Die Gedanken sind inspiriert durch den Flyer der Arbeitsgemeinschaft der Wallfahrtsrektoren im nordwestdeutschen Raum.

Ihr Pfarrer Hans-Rolf Funken