Heimbach-Bruderschaft Stolberg 1730

288. Wallfahrt

zur Schmerzhaften Mutter von Heimbach

am 5. Mai und 6.Mai  2018

Suche Frieden

So lautet auch das Leitwort für den Katholikentag, der im Mai in Münster stattfinden wird. Als Christen wollen wir uns immer wieder aufs Neue den Herausforderungen in unserer von Kriegen zerrissenen Welt stellen und nach Antworten suchen. Derzeit gibt es kein wichtigeres Thema in der öffentlichen Diskussion über Religion als das Problem der Gewalt. Münster bietet sich wie Prof. Dr. Thomas Söding, Prof. für Neues Testament in Bochum feststellt, wie keine andere deutsche Stadt an, eine Debatte zu führen, die uns auf der Suche nach Frieden weiterführt und nach Lösungen  für ein friedliches Miteinander sucht.

Münster wurde - zusammen mit Osnabrück - zur Friedensstadt, nachdem im grausamsten Krieg der frühen Neuzeit über drei Jahrzehnte hinweg Millionen Menschen hingeschlachtet, ganze Völker Europas verwüstet worden waren und man 1648 hier Frieden schließen konnte. Dreißig Jahre zuvor, 1618 - im Katholikentagsjahr 2018, dann also genau vor 400 Jahren - war dieser Krieg entfacht worden. Daran werden wir beim Katholikentag 2018 denken. Und wir werden noch an einen weiteren grausamen Krieg erinnert werden: 2018 wird es 100 Jahre her sein, dass der 1. Weltkrieg zu Ende ging. Krieg - ein Schreckenswort; es wird verbunden mit der Hoffnung, so etwas nie selbst erleben zu müssen. In vielen Kulturen ist der Willkommensgruß der Friedensgruß: PAX - SHALOM - SALAM. In der hl. Schrift begegnet uns keine Formulierung so oft wie "Der Friede sei mit dir!" oder "Der Friede sei mit euch!". Jeder Mensch sehnt sich nach Frieden. Gewiss: Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.

Frieden ist weit mehr als die Abwesenheit von Krieg und Gewalt. Unsere tiefe Sehnsucht nach Frieden ist deshalb mehr als der Wunsch, von Krieg verschont zu bleiben. Frieden ist - das realisieren wir heute mehr denn je - zuerst ein Geschenk. Deshalb müssen wir uns aber auch einsetzen, daran müssen wir arbeiten und immer wieder neu nach Wegen zum Frieden suchen. Friede beginnt in unserem nächsten Umfeld und bedeutet, den anderen anzunehmen, ihn mit seinen Grenzen und Fähigkeiten zu akzeptieren. Frieden bedeutet nicht nur die eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen, sondern den Blick für das Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Frieden beginnt da, wo wir im Gespräch versuchen, einen Weg zueinander zu finden, Missverständnisse aufzulösen und einen Neuanfang zu wagen. Vielleicht bietet sich ja unsere diesjährige Wallfahrt an, im Gespräch oder in der Stille nach neuen Wegen zu einem gelingenden Miteinander zu suchen. Dieses Miteinander braucht Menschen, die sich engagieren mit Hand und Herz und nach Hoffnungsperspektiven im alltäglichen Leben suchen. Dies gilt auch für die Christenheit als Ganze.

Im 34. Psalm heißt es: Meide das Böse und tu das Gute; suche den Frieden und jage ihm nach (Ps 34,15). Zitiert wird das Friedenswort im 1. Petrusbrief  (1 Petr 3,11) zur Ermutigung einer Kirche, die sich vielfacher Ablehnung ausgesetzt sieht. Es geht um eine Kirche, die nicht nur die Ungerechtigkeit beklagen, sondern auch die Schnittstelle zwischen Gott und der Welt bilden soll: durch Menschen, die den Frieden suchen, weil sie an Gott glauben. Der Psalm macht Hoffnung, dass Frieden keine Illusion, sondern eine Möglichkeit, ein Versprechen, ein Geschenk, eine Aufgabe ist. Der Brief tritt dafür ein, dass die Kirche ihre Berufung erkennt, eine Friedenszone zu sein und eine Friedensmission zu starten. Zunächst einmal muss der Krieg mit Gott beendet werden. Er besteht in dem Versuch von Menschen, Gott zu spielen. Besonders grausam ist, wenn der Krieg im Namen Gottes geführt wird. Der Friede mit Gott wird nicht dadurch gestiftet, dass sich Gott mit den Menschen versöhnt, sondern dadurch, dass die Menschen mit Gott versöhnt werden. Ein anderer  Aspekt liegt darin, dass die Kriegsopfer mit Gottes Hilfe versuchen, die Kriegstreiber zu überwinden und schließlich muss der Krieg mit sich selbst beendet werden. Es ist besonders grausam, wenn er als Krieg Gottes gegen das eigene Ich erlebt wird. Nach Ps 34 u. 1 Petr 3 wächst der innere Friede dort, wo Gott die Ehre gegeben wird. Versuchen wir mit unserer kleinen Kraft, den Frieden zu suchen. Nach dem Motto: "Wende das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach."

Vielleicht kann unsere Wallfahrt ein bescheidener Anfang dazu sein.